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“Giftgas in Duma”: Aussagen eines Teilnehmers im “Beweisvideo” sprechen für Fälschung (Video)Nach „Giftgasangriff“: Chlor aus Deutschland in Ex-Rebellenhochburg Duma entdeckt

Bei einem der Videos, die einen Giftgasangriff auf die syrische Stadt Duma belegen sollen, handelt es sich offenbar um eine Fälschung. Nachdem bereits Mitarbeiter der örtlichen Klinik darauf hinwiesen, sagte nun ein Junge aus, der in dem Video “mitspielt”.

Panik, Angst, schreiende Erwachsende und verängstigte Kinder: Szenen aus einem Video, das nach einem mutmaßlichen Giftgasangriff am 7. April in der syrischen Stadt Duma in der örtlichen Klinik gedreht wurde. Das von der oppositionellen Gruppe “Duma Revolution” veröffentlichte Video gilt als Beweis für einen Chemiewaffeneinsatz seitens der syrischen Armee. Doch nun gibt es weitere Hinweise, dass es sich um eine Fälschung handelt.

In den Aufnahmen ist auch der 11-jährige Hassan Diab zu sehen. Darin wird er von angeblichen Rettungskräften mit Wasser übergossen. Ein Mann besprüht ihn mit einem Asthmaspray. Das russische Medienunternehmen WGTRK konnte den Jungen ausfindig machen. Seine Aussage deckt sich nicht mit dem, was das Video angeblich zeigt: die Folgen eines Giftgaseinsatzes.

Hassan erklärt, dass er sich zusammen mit seiner Mutter ohne Nahrung im Keller befunden habe, als sie von draußen Lärm vernommen hätten:

Jemand schrie, wir müssten ins Krankenhaus, also gingen wir hin. Als ich hereinkam, packten mich einige Leute und begannen, mir Wasser über den Kopf zu gießen.

Mehr zum ThemaBBC/CBS oder BILD: Wer hat die richtige “Assad-Chemie-Bombe” in Duma gefunden?

Hassan wurde schließlich von seinem Vater Omar gefunden, der sagte, er habe an diesem Tag nichts von einem Chemiewaffenangriff mitbekommen:

Ich ging ins Krankenhaus, ging nach oben und fand meine Frau und meine Kinder. Ich fragte sie, was passiert war, und sie sagten, die Leute draußen schrien etwas über einen Geruch und sagten ihnen, sie sollten ins Krankenhaus gehen. Im Krankenhaus gaben sie den Kindern Datteln und Kekse.

 

Bereits zuvor hatten verschiedene Mitarbeiter der Klinik ausgesagt, dass das Video zwar dort gedreht worden sei, es sich aber um eine Inszenierung der Aufständischen gehandelt habe.

Der Junge stimmte zu, im Austausch für Nahrung seine Rolle zu spielen. Dann wurde das Video über den ganzen Globus verbreitet und wurde zum ‘Beweis’, der als Vorwand für die Luftangriffe auf Syrien durch die USA, Großbritannien und Frankreich diente”, so die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa.

Moskau will das Video dem UN-Sicherheitsrat auf seiner nächsten Sitzung präsentieren.

Nach „Giftgasangriff“: Chlor aus Deutschland in Ex-Rebellenhochburg Duma entdeckt

Bei der Befreiung von Duma sind die syrischen Streitkräfte in dieser ehemaligen Rebellen-Hochburg bei Damaskus nach russischen Angaben auf ein weiteres Chemielabor gestoßen. Einige der entdeckten gefährlichen Chemikalien sollen aus Europa, zum Teil auch aus Deutschland stammen.

In Duma seien 1,5 Tonnen chemische Substanzen sichergestellt worden, teilte das russische Außenministerium am Donnerstag mit. Unter anderem seien Behälter mit Chlor aus Deutschland sowie Nebelkerzen aus Großbritannien entdeckt worden.

„In den befreiten Gebieten in Ost-Ghuta haben die syrischen Regierungstruppen Container aus Deutschland mit Chlor, einem der schrecklichsten Kampfstoffe, entdeckt“, sagte die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa am Donnerstag.

Die ebenfalls dort entdeckten Nebelkerzen sind nach ihren Angaben in Salisbury hergestellt worden. In dieser britischen Stadt hatte es Anfang März einen mutmaßlichen Giftgasangriff auf den Ex-Spion Sergej Skripal gegeben. Nur wenige Kilometer von Salisbury entfernt liegt das Labor für Chemie- und Biowaffenforschung des britischen Militärs.

„Dieser schrecklicher Fakt lässt sich nur schwer kommentieren“, so Sacharowa weiter. „Denn er ruiniert den Glauben in die Menschlichkeit einzelner Staaten, genauer gesagt einzelner Politiker, die derartige Befehle erteilen und derartige Entscheidungen treffen.“

Bereits am Dienstag hatte das russische Militär berichtet, in Duma sei ein Lager mit Chemikalien entdeckt worden, die vermutlich für die Herstellung von Kampfstoffen genutzt worden seien. Später veröffentlichte Sputnik ein Video mit dem mutmaßlichen C-Waffen-Labor.

Oppositionelle syrische Internetportale hatten in der vergangenen Woche über einen Chlorgas-Einsatz mit Dutzenden Toten in der damals noch von Rebellen kontrollierten Ortschaft Duma östlich von Damaskus berichtet. Ihre Informationen wurden schnell von westlichen Medien und Spitzenpolitikern aufgegriffen, die die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad für die angebliche Attacke verantwortlich machten. Damaskus bestreitet das.

Eine unabhängige Ermittlung blieb vorerst aus. Spezialisten aus der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) sind erst vor wenigen Tagen zu Ermittlungen in der Region eingetroffen. Die USA, Großbritannien und Frankreich nahmen die unbestätigten Berichte zum Anlass, um Regierungseinrichtungen in Syrien mit Marschflugkörpern anzugreifen.

Nach Erkenntnissen der russischen Behörden war der C-Waffen-Angriff von den sogenannten Weißhelmen auf Anweisung aus London vorgetäuscht worden, um den USA und ihren Verbündeten einen formellen Vorwand für den Militärschlag gegen die Regierung Assads zu liefern. Die westlichen Staaten hatten seit Beginn des Bürgerkrieges in Syrien die bewaffneten Rebellen unterstützt. Dennoch konnte die syrische Regierungsarmee mit Hilfe aus Russland die Kontrolle über weite Teile ihres Landes zurückgewinnen.

Sputnik